Sind Sportdrinks besser als Mineralwasser?

Der Sommer kommt, es wird immer wärmer und wir schwitzen schneller und mehr – besonders beim Sport. Die Flüssigkeitszufuhr vor, während und nach dem Fitnesstraining spielt eine entscheidende Rolle für unsere Leistungsfähigkeit und Gesundheit. Viele Freizeitsportler stellen sich die Frage, ob spezielle isotonische Fitnessgetränke besser sind als stink normales Wasser.

Sportlergetränke sind ein Mix aus Wasser, Zucker und Mineralstoffen wie Natrium und Kalium, weswegen sie auch Elektrolytgetränke heißen oder als "isoton" bezeichnet werden. Einige sind zudem angereichert mit Vitaminen und Eiweißen oder enthalten die Wachmacher Taurin und Koffein. Für den Geschmack sorgen Fruchtsäfte. Hinter einigen Getränken stehen große Firmen. So gehört Gatorade zu PepsiCo, Powerade ist aus dem Hause Coca-Cola und auch der Pharmahersteller GlaxoSmithKline produziert ein spezielles Sportlergetränk namens Lucozade Sport.

 

Auf den entsprechenden Internetseiten steht, warum ein Breitensportler diese „Powerdrinks" gegenüber Wasser bevorzugen sollte: Natrium in Sportdrinks stimuliere den Durst, was zu einer gesteigerten Trinkmenge führe und Wasser besser im Körper zurück halte. Die zugesetzten Kohlenhydrate, etwa Traubenzucker, sollen zudem helfen, Wasser im Dünndarm schneller zu absorbieren. Außerdem würde der Geschmack der Mix-Getränke dazu animieren, mehr zu trinken. Mit dem Energie- und Mineraliengehalt könnte obendrein die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit nachhaltig auf höchstem Niveau gehalten werden.

 

All dies soll wissenschaftlich bewiesen sein, so versichern die Hersteller. Die Wirkung von Lucozade etwa werde laut GlaxoSmithKline von mehr als 85 Studien gestützt. Sogar die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält dieses Datenmaterial für ausreichend und hat vergangenes Jahr so genannte Health Claims für zwei Elektrolyt-Drinks zugelassen, darunter Lucozade. Sie dürfen damit werben, dass sie leistungsfördernd sind. Die Wirkung von diesen Getränken ist jedoch keineswegs wissenschaftlich belegt!

 

Dass Sportdrinks besser sind als Mineralwasser ist eine Fitnesslüge! Das behaupten höchstens die Hersteller solcher Getränke. In Wirklichkeit aber bieten Gatorade, Powerade & Co. keine Vorteile gegenüber etwa gewöhnlichem Wasser. Die Gründe dafür lassen sich leicht nachvollziehen.

 

Die meisten der Sportdrinks sind bei Licht betrachtet, gewöhnliche Limonaden, die je nach den Ergebnissen der Marktforschung mit Kochsalz, Magnesiumcarbonat, Kaliumphosphat, Taurin, Aminosäuren oder anderen Zusatzstoffen angereichert sind. Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Körper eines Freizeitsportlers so etwas wirklich braucht.

 

Die Antwort ist ein klares Nein. Spezielle Getränke sind für Freizeitsportler grundsätzlich unnötig. Weder erleiden sie auf der Joggingrunde einen Magnesium-Mangel, weil es Magnesiumcarbonat reichlich in Trinkwasser gibt. Noch brauchen sie, wenn sie sich normal ernähren, eine Extraportion Phosphat. Auch die Vorstellung, Kalium und Magnesium würden Muskelkrämpfen vorbeugen, ist mehr Hoffnung als wissenschaftlich belegter Fakt, wie du hier nachlesen kannst.

 

Und dass Zucker in manchen dieser Drinks die Energiereserven des Körpers besonders schnell aufstocken soll, macht das Thema Sportdrinks endgültig zum Witz. Denn spätestens dann wäre der Energiekick aus der Flasche kontraproduktiv – zumindest für Menschen, die mit dem Sport eigentlich ein paar überschüssige Kilos abspecken wollen. Es reichen ja nur wenige Schlücke und die halbe Stunde Sport war umsonst, weil die gerade mühsam losgewordenen Kalorien gleich wieder drin sind. In einem Glas mit 250 Millilitern Powerade stecken zum Beispiel 53 Kilokalorien.  Gerade wer weniger als eine Stunde Rad fährt oder joggt, braucht keine energiereichen Getränke.

 

Für Freizeitsportler oder auch für Kinder ist Wasser oder Saft-Schorle zur Flüssigkeitszufuhr ausreichend. Im Spitzensport ist die Belastung größer. Athleten können bei intensiver Leistung mehr als einen Liter Schweiß pro Stunde und damit auch viele Mineralstoffe verlieren. Zudem gibt es genügend Studien, die zeigen, dass bei mehrstündiger Anstrengung Kohlenhydrate, also Zucker, die Leistungsfähigkeit verlängern. Apfelsaft gemischt mit Mineralwasser reich an Magnesium, Natrium und Kalium liefert jedoch auch in diesen Fällen ausreichend Zucker und Elektrolyte.

 

Dein Personal Trainer Sebastian Finis

 

Foto: Pixabay

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Sigi (Donnerstag, 23 Mai 2013 14:34)

    Interessanter Artikel. Nur eine Sache hast du nicht thematisiert: den Geschmack. Ich finde Isodrinks lecker :-)

  • #2

    Christin (Donnerstag, 23 Mai 2013 14:42)

    Ich bleibe bei Wasser. Das andere Zeug ist mir zu süß!

  • #3

    Bibo Knexibusch (Freitag, 24 Mai 2013 08:24)

    Das ist äußerst interessant und beantwortet eine Frage, die mir immer durch den Kopf geistert, wenn ich an diesen fetten isotonischen Kanistern in der Drogerie vorbeitigere. Aber es ist ja meistens so, das Großkonzerne mit "fit, gesund und wichtig" für Produkte werben, die kein Mensch braucht. Ganz im Gegenteil. Siehe Vitaminpräparate ...

  • #4

    fifi (Freitag, 24 Mai 2013 08:32)

    Man könnte auch meinen, dass in einer Drogerie neben all den Bioprodukten nur gesunde Lebensmittel angeboten werden (abgesehen von dem Süßkram an der Kasse). Viele lassen sich auch von den bunten Farben der Isodrinks locken, besonders Kinder.
    Ja, stimmt mit den Vitaminpräparaten ist das ähnlich. Da müsste ich eigentlich auch mal was drüber schreiben. Danke für den Tipp :-)

  • #5

    Bibo (Freitag, 24 Mai 2013 10:16)

    Gerne. Und was ist eigentlich mit diesen Eiweiß-Drinks für den Muskelaufbau? Machen die Sinn?

  • #6

    fifi (Freitag, 24 Mai 2013 10:23)

    Fertig gemixte Eiweißdrinks, die es zu kaufen gibt, würde ich nicht empfehlen. Da ist zu viel Zucker drin. Stattdessen würde ich reines Molkeprotein (Whey Protein) in Pulverform empfehlen, was man ganz einfach in Wasser einrühren kann. Das ist besser für den Muskelaufbau geeignet. Das ist auch ein Thema für sich, über das es sich lohnt, mal einen Text zu schreiben ...

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