„Ich will Infos streuen, die wirklich wissenschaftlich validiert sind"  

Prof. Dr. Stephan Geisler ist einer der führenden deutschen Experten auf dem Gebiet des Krafttrainings. Neben seiner Tätigkeit als Hochschuldozent, forscht der  Sportwissenschaftler selbst und gibt sein Wissen als „Der Fitnessprofessor“ an die Allgemeinheit weiter. Im Interview mit Sebastian Finis spricht Geisler über neue und alt bekannte Studien, Methoden und Erkenntnisse und wie man das Optimum aus sich herausholen kann. Im ersten Teil des Interviews wendet er sich Krafttrainingsmethoden zu und erläutert die Vorteile eines Kraftausdauertrainings. 


Stephan, ich kenne dich noch aus meiner Studienzeit als Dozenten an der Deutschen Sporthochschule Köln. Heute verfolge ich dich weiter als „Fitnessprofessor“ auf Youtube. Erzähle etwas über deine Lebensreise hin zu dem was du jetzt machst?

Mein Name ist Stephan Geisler, ich bin Sportwissenschaftler. Ich habe mit 13 Jahren Krafttraining angefangen – damals auch sehr intensiv. Nachdem ich einen Unfall hatte, bei dem ich meine Wirbelsäule angebrochen habe, wurde mir das von den Ärzten nahegelegt, meinen Rumpf zu kräftigen. Das war für damalige Zeiten sehr innovativ. Seitdem bin ich dabei geblieben. Ich feiere jetzt mein 25-jähriges Jubiläum, was Krafttraining angeht. Ich hatte das Glück, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich betreibe Forschung und lehre im Bereich Fitness und Krafttraining, heute u.a. an der IST-Hochschule in Düsseldorf.  


Wie bist du zum "Fitnessprofessor" auf Youtube geworden?

Das kam dadurch zustande, weil ich sowieso viel im Internet unterwegs bin und mir Sachen anschaue. Ich war sehr unzufrieden mit vielen Channels, die von „Laien“ gemacht worden sind. So wurden viele Falschinformationen im Netz verbreitet. Ich dachte mir: „Daran müssen wir etwas ändern!“ Ich wollte auch ein paar Infos streuen, die wirklich wissenschaftlich validiert sind, also von denen man auch sagen kann, dass sie mit wissenschaftlich angrenzender Wahrscheinlichkeit so sind. Und nicht nur das persönliche Empfinden den anderen mitteilen, wie es häufig im Internet der Fall ist … nach dem Motto: „Wenn die Übung bei mir gut funktioniert, muss sie bei allen gut funktionieren.“ Das ist nicht mein Stil. Deswegen wollen wir mit dem Channel ein wenig Aufklärung betreiben.

 

Steigen wir direkt ein und fragen den Experten für Krafttraining: Wie viele verschiedene Krafttrainingsmethoden gibt es?

Das ist schwer zu sagen. Man müsste erst einmal definieren, was bedeutet die Methode an sich. Es gibt zum Beispiel Literatur, in der nur Maximalkrafttraining, submaximales Maximalkrafttraining – also Hypertrophietraining – und Kraftausdauertraining unterschieden werden. Nach der Definition gäbe es genau drei Methoden. Wenn man natürlich bedenkt, welche Organisationsformen, Intensivierungsmöglichkeiten und Arten des Trainings es gibt, dann könnten es, wenn man es bunt mischt, Hunderte sein. 


Bei all den vielen verschiedenen Methoden und Möglichkeiten, seine Kraft zu trainieren, welcher Mensch bzw. Fitnessinteressierte soll da noch durchsehen? Woher weiß ich, welche die richtige Methode für mich ist?

Du sagst es. Da verliere ich sogar manchmal den Durchblick, obwohl ich das beruflich mache. Ich glaube wichtig ist, dass man selber viel ausprobiert, am eigenen Körper testet, das dann aber auch dokumentiert. Denn es bringt ja nichts, wenn ich einfach nur ein gutes Gefühl habe, aber es passiert nichts. Ich kann jedem nur empfehlen, der eine neue Methode im Netz findet und diese einmal ausprobiert, dass er das in einem Zeitraum X macht, also zum Beispiel sechs bis acht Wochen. Und dann sollte er seine Fortschritte auch messen: seine Kraft, Muskelumfänge etc., also einfache Dinge, die jeder überall messen kann. Die Messergebnisse zeigen, ob die Methode tatsächlich einen Effekt hat. Denn jeder Körper ist anders und jede Methode wird auch eine andere Antwort des Körpers hervorrufen. Deshalb ausprobieren! Trial and Error.

 

Welche Krafttrainingsmethode ist deiner Meinung nach am Effektivsten, um möglichst schnell eine Hypertrophie im Muskel herbeizuführen , also um das Muskelvolumen bzw. den Muskelquerschnitt zu vergrößern?

Wenn man nach der derzeitigen Studienlage geht, ist nach wie vor das Mehrsatztraining in Split-Form am Effektivsten. Ein klassisches Bodybuilding-Training würde ich bzw. auch die Literatur sagen. Das dürfte eigentlich noch bei den meisten Leuten die größten Erfolge bringen. Das heißt nicht, dass das bei allen so ist. Was die Meisten vor allem falsch machen, ist dass sie dauerhaft an einem Trainingsprogram festhalten – nach dem Motto: „Das ist mein Training. Das wirkt bei mir.“ Dann machen sie es ein, zwei, drei Jahre am Stück. Aber so funktioniert unser Körper nicht. Wenn der Körper sich an eine gewisse Belastung anpasst, dann braucht er neue Reize, um sich weiterzuentwickeln. Das vergessen leider die Meisten.

 

Warum sollten deiner Meinung nach Bodybuilder auch mal ein Kraftausdauertraining machen?

Zum einen aus dem Grund, den ich eben schon erwähnt habe: damit das Training nicht zu eintönig und ein neuer Trainingsreiz gesetzt wird. Zum anderen, weil sie ihre Kapillarisierung verbessern könnten. Das heißt, mehr Blutgefäße im Zielmuskel bedeuten eine bessere Nährstoffversorgung zum Beispiel durch Proteine im Muskel. Kraftausdauertraining ist eben auch ein Kapillarisierungstraining. Zum dritten ist es auch gar nicht so abwegig, dass durch ein Kraftausdauertraining ebenso eine Hypertrophie, also ein Muskeldickenwachstum, erreicht werden kann. Da gibt es genügend Studien, die das schon nachgewiesen haben.


Den zweiten von insgesamt vier Teilen des Interviews gibt es in wenigen Tagen. 


Mehr Informationen zu Prof. Dr. Stephan Geisler und „Der Fitnessprofessor“ finden Sie unter:

www.sportwissenschaft.net

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Fotos: Shutterstock, privat

 

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